Warum verdienen Webdesigner so wenig?

Was wäre die Werbewelt ohne Bilder? Und zwar nicht nur Fotos, sondern gut gemachte Grafiken mit knackigen Slogans, Eyecatchern und durchdachten Inhalten – das gilt für Print und natürlich auch das Web. Die Marketingbranche braucht neben guten Planern und Konzeptern auch die kreative Executive, das ist Fakt. Was nützen die tollste Werbeidee, der beste Slogan und das coolste Produkt, wenn die Präsentation nicht mindestens ebenbürtig ist. Designer sorgen dafür, dass aus einem User, Passanten oder Betrachter ein potentieller Kunde wird. Ohne sie würde eine gute Idee nur eine Idee bleiben. Und genau diese Berufssparte wird nicht adäquat bezahlt und steht im Onlinemarketing-Bereich am unteren Ende der Nahrungskette – das zeigte eine Studie von MOZ, die T3N gestern veröffentlichte. Aber warum ist das so?

Vor 15 Jahren konnte ein Webdesigner gutes Geld verdienen

Früher war es etwas Besonderes, wenn man sich „Designer“ nannte. Das liegt u.a. daran, dass es früher noch viel mehr ein Handwerk war, als heute. Gerade im Printbereich musste man verschiedene Techniken beherrschen, teure Computerprogramme besitzen und bedienen können, um ein professionelles Ergebnis zu erzielen. Dann kam das Internet und der Job des „Web-Designers“ war geboren. Was mit ausschließlichem Schreiben von Code-Zeilen anfing entwickelte sich dank schnellerer Internetleitungen zu einer immer grafiklastigeren Darstellung der Websites. Es kamen immer neue Technologien und Möglichkeiten dazu, die für die breite Masse wie ein Mysterium erschien. Wer noch vor 15 Jahren eine Website mit ein paar Unterseiten, Kontaktformular und Anfahrtsskizze für einen Kunden erstellt hat, konnte schnell 12000 DM (ca. 6000 Euro) verlangen und auch verdienen. Heute kann jeder versierte Anwender als Nichtgrafiker und Nichtprogrammierer mit Systemen wie WordPress oder Joomla eine halbwegs professionelle und innovative Website erstellen, sodass der gleiche Auftrag von damals heute höchstens noch ein paar Hundert Euro wert wäre – wenn ein Kunden dafür überhaupt bezahlen würde.

Zu viele Webdesigner auf dem Markt

Heute, im Zeitalter von YouTube und PSD-Tutorials, kann beinahe jeder ein Webdesigner werden. Ich will die Möglichkeiten gar nicht schlecht machen, sich mit kostenlosen Tutorials und How-Tos weiterzubilden. Ich selbst halte mich damit auf dem Laufenden. Aber sie öffnet eben auch der breiten Masse Türen und Tore um den Design-Markt für sich zu erobern. Rein theoretisch kann auf diese Weise aus jedem affinen Webanwender ein Webdesigner werden – alles per Learning-by-Doing. Und wie überall hängen Angebot und Nachfrage sehr stark von einander ab. Das Problem: ist das Angebot größer als die Nachfrage, sinken die Preise. In unserem Fall: es gibt mehr „Webdesigner“ als Job-Angebote – ergo können die Unternehmen die Löhne für diese Berufssparte senken.

Nicht jeder ist ein Webdesigner

Um eins gleich klarzustellen: es braucht nicht zwangsläufig ein Kreativ-Studium, um ein guter Designer zu werden. Aber vielen, ich würde sogar sagen den meisten, täte diese Vorbereitung nicht schlecht. Ich selbst habe Kommunikationsdesign studiert und weiß, wie wichtig gewisse Grundkenntnisse sind. Allerdings kenne ich auch Kreativlinge, die großartige Designs abliefern, obwohl sie Quereinsteiger sind. Allerdings ist das die Ausnahme. Nicht jeder, der mit Photoshop umgehen kann, ist automatisch ein (guter) Designer. Und nicht auf jeder Agentur, wo „Webdesign“ drauf steht, ist auch Webdesign drin. Es gibt zahlreiche Beispiele, für richtig schlechtes Webdesign und erstaunlicherweise verkauft sich das sogar. Viele Kunden wissen eben nicht mehr zu schätzen, wenn ein (richtiger) Profi ans Werk geht. Die Hauptsache ist: es ist billig. Und so sehen die Websites dann oftmals auch aus: billig.

Was verdient ein Webdesigner 2014?

MOZ Studie Vergleich Gehalt Marketing

Quelle: MOZ

Es hängt, wie in vielen anderen Berufen auch, immer von mehreren Faktoren ab: welche Spezialkenntnisse hat man, wie viele Jahre Berufserfahrung, welche Referenzen etc. Stehen bleibt dann aber oftmals ein wenig erfreuliches Durchschnittsgehalt, dass je nach Bundesland variiert: von 1600 Euro (Mecklenburg-Vorpommern) bis 2500 Euro (Bayern). Das sind durchschnittlich ca. 1350 Euro netto. Und das für echte Kreativleistung, die man nur bedingt erlernen kann und nicht selten echtes Talent abverlangt. Dazu kommt, dass Kreative nicht selten 60 Stunden und mehr in der Woche schuften – da möchte man sich keinen Stundenlohn ausrechnen.

Alternativen und Chancen für Designer

Mir war bereits im Studium schnell klar, dass mir das zu wenig ist und ich mich auf „nur Design“ nicht ausruhen wollte und durfte. Das Web bietet eben noch viele weitere Möglichkeiten und Optionen, wenn man nur über den (Photoshop-) Tellerrand schaut. Von Social Media, über Online-Marketing und SEO, bis zur Webanalyse und E-Commerce Beratung – man muss eben flexibel und dazu bereit sein, sich weiterzuentwickeln. Nicht jeder kann alles und man sollte sich nun auf der Jagd nach Softskills und Hardskills nicht verzetteln. Mein Rat an alle Newcomer und Webdesigner, die mit ihrer monetären Situation nicht zufrieden sind: baut euch ein zweites Standbein auf und werdet richtig gut in dem, was ihr tut. Und mit „zweitem Standbein“ meine ich nicht Töpfern oder Fenster putzen, sondern eine jobnahe Erweiterung eurer Fähigkeiten – in meinem Fall ist das Onlinemarketing- und SEO-Beratung. Also nicht den Kopf in den Sand, sondern in Bücher und Tutorials stecken, die euch weiterbilden. Und wer nicht lange suchen möchte, kann sich auch direkt an Headhunter oder Seiten für die Vermittlung von IT-Experten wenden. So spart man sich die Suche nach der richtigen Stelle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.