Mut zur Luecke

Weissraum im Design

Am Anfang einer jeden Gestaltung steht ein leeres Blatt – oder neues Photoshop-Dokument, oder eins von Illustrator, oder Flash. Egal was man gestalten möchte, der Start ist immer gleich. Im Laufe der Gestaltung kommen immer mehr Elemente dazu: Icons oder Symbole, Headlines, Teaser, Hintergrundgrafiken. Aus einem leeren Blatt wird schnell ein gefülltes Dokument. Und da fangen meist die Probleme an. Nicht selten schaut man auf sein Layout und stellt fest, dass es viel zu voll ist. Würde es immer nur nach dem Designer gehen, würde dieses Problem (meist) nicht existieren. Hinter jedem Auftrag steht aber immer ein Kunde. Der hat Wünsche, eigene Vorstellungen und Ideen. Das alles in ein gutes, cleanes Design zu stopfen, ist meist gar nicht zu einfach. Wie oft habe ich schon gehört: „Mensch, da oben rechts ist ja noch alles leer! Da können wir doch noch etwas reintun…“. Meine Antwort ist dann (fast) immer die gleiche: „Weißraum ist wichtig!

Was ist eigentlich Weissraum?

Ganz einfach definiert: leere Fläche. Aber warum ist die so wichtig? Auch das ist schnell erklärt, wird aber immer wieder unterschätzt. Man stelle sich vor, man hat ein leeres Blatt Papier. Darauf gedruckt sind nur drei Worte: „Das ist Weißraum“. Instinktiv wandern unsere Augen beim Betrachten der fast leeren Seite umher, bis sie etwas finden.

Was ist Weissraum in der Gestaltung

Eine leere Fläche ist „langweilig“ also stoppt der Blick bei den Elementen auf der leeren Fläche. Und schon ist das Ziel erreicht: der Betrachter richtet den Fokus auf unsere Botschaft. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass das gesamte Blatt gefüllt wäre mit hunderten von Worten, die erklären was Weißraum ist, warum er wichtig ist und welche Bedeutung er hat, dann würde der Blick umherirren und sich nicht schnell auf das Wesentliche richten können. Der Weißraum ist also nicht als „weißer Raum“ zu verstehen – mit weißer Farbe hat das nichts zu tun. Weiß ist hier eher als Synonym für „leer“ oder „frei“ gemeint. Das Blatt könnte auch schwarz oder rot sein. Wichtig ist: wenig (aber wesentlicher) Inhalt.

Keep it simple und Mut zur Luecke

Im Design Mut zur Luecke haben
Jeder Designer kennt das Problem, wenn maximaler Inhalt auf minimale Fläche gequetscht werden muss. Immer frei nach dem Motto: „Das muss da aber alles rein. Was nicht drin ist, sieht der Kunde nicht.“ Klare Antwort darauf: „Nein. Eben nicht!“ Wenn nämlich zu viel drin ist, sieht der Kunde das Wesentliche nicht besser. Jeden Tag wird man mit Werbung geflutet. Das Postfach ist voll mit Newsletter und auch der Briefkasten vor der Tür ist prall gefüllt mit Prospekten und Flyern. Der Endkunde ist, bewiesener Maßen, überreizt und teils auch überfordert. Nur ein Grund mehr, um die Gestaltung einfach und klar zu halten. Nur wer verzichten kann hat die Chance, den Betrachter in Millisekunden auf das Wichtigste zu lenken. Stopfe ich mein Design voll, kann ich den Blick nicht lenken und die Aufmerksamkeit weilt nicht lange. Ziel verfehlt! Habe ich Mut zur Lücke, lasse vieles raus und platziere nur sehr wenig Content im Layout,  kann sich der Betrachter auf genau das konzentrieren. Die Chance, die Zielgruppe mit dieser Methode zu erreichen, ist um ein Vielfaches höher. Also liebe Designer (und auf Auftraggeber): konzentriert euch auf nur wenige Elemente. Denn weniger ist meist immer mehr. Bei 100 Argumenten auf einer Seite, hat jedes von ihnen nur 1% Aufmerksamkeit. Und bei nur einem Argument?Richtig: 100% Aufmerksamkeit! Und DAS sollte doch das Ziel einer jeden Gestaltung und Kampagne sein.

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