Sind Social Signals glaubwürdig?

Im SEO-Business gibt es viele Faktoren, die kaum bestreitbar zu den wichtigen Signalen gehören, um im Google Index besser platziert zu werden. Laut eigener Angaben der Suchmaschinen gibt es derzeit über 200 Faktoren, die einen direkten und indirekten Einfluss darauf haben, an welcher Position die Suchmaschine die eigene Seite zu einem bestimmten Keyword anzeigt. Die wichtigsten Faktoren sind bekannt und auch die Strategie von Google dahinter ist in den letzten Jahren gerade auch durch Wettbewerben wie die Xovilichter Challenge 2014 etwas klarer geworden. Allerdings vermag niemand zu sagen, wie die einzelnen Faktoren auf einander wirken und wie stark sie in verschiedenen Bereichen gewichtet sind. Ein Punkt jedoch, beschäftigt die SEOs seit langem und keiner weiß wirklich, wie es darum hinsichtlich der Suchmaschinenoptimierung wirklich bestellt ist: die sozialen Medien. In Fachkreisen ist auch von „Social Signals“ die Rede, die wiederum eine „Social Visibility“ ausmachen. Es geht also um Signale und Sichtbarkeit – eigentlich also um genau das, worum es im SEO immer geht. Da wundert es auch nicht, dass viele Teilnehmer des Xovilichter Contests sich auf diesen Punkten stürzen und teilweise sehr aktiv sind. Heiko Stiegert hat kürzlich einen interessanten Artikel über SEO und Social Visibility im Kontext mit diesem Contest geschrieben, der einmal aufbröselt, wer wie aktiv ist und vor allem wo. Und auch wenn ich ihm in vielem Recht gebe, so sehe ich gerade die soziale Sichtbarkeit speziell im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit sehr kritisch und will auch erklären warum.

Zu verkaufen: Fans, Follower, Likes und Shares

fans-follower-likes-kaufen-bei-fanslaveSieht man mal von der möglichen Konkurrenz-Situation beiden Medienriesen ab, so ist doch nachvollziehbar, dass Google den Nutzeraktivitäten von Facebook nicht wirklich vertraut. Heiko schreibt in seinem Artikel, dass die sozialen Autoritäten weniger schwer zu faken sind. Aber ist das wirklich so? Absolut nicht, denn schon seit langem gibt es die Möglichkeit, sich soziale Signale für überschaubare Beträge zu kaufen. Egal, ob Facebook, Twitter, Google+ oder YouTube: für ein paar hundert Euro lassen sich schnell tausende Fans, Follower oder Likes bestellen, die dann über einen verteilen Zeitraum die gewünschte Aktivität ausführen. Besonders perfide daran ist, dass man sogar nach „Fans ohne Zielgruppe“ und „Fans nach Zielgruppe“ aussuchen darf. Es gibt verschiedene Anbieter in diesem Umfeld, aber Fanslave ist einer der bekanntesten. Hier mal eine kleine Preisübersicht der käuflichen Social Signals:

  • 10.000 echte Fans nach Zielgruppe sortiert: 593,10 Euro
  • 20.000 echte Fans ohne Zielgruppenbezug: 593,10 Euro
  • 10.000 Google +1 Klicks für die Website: 143,10 Euro
  • 20.000 echte Twitter Follower: 701,10 Euro
  • usw.

Wie gesagt, es gibt auch noch andere Anbieter, die ähnliche „Dienstleistungen“ anbieten und Social Signals verkaufen. Und jeder der schon einmal beispielsweise eine Fanseite bei Facebook aufgebaut hat, der weiß, wie mühsam und teuer dies sein kann. Denn von alleine liked niemand die Seite – man muss hier schon ordentlich Geld für Werbung ausgeben. Da scheinen 600 Euro für einige tausend Fans ein echtes Schnäppchen zu sein. Aber auch für Google+ und Twitter lässt sich ein ähnlicher Unfug betreiben und auch das stellt die Glaubwürdigkeit der Social Signals sehr in Frage.

Finger weg von gekauften Fans und Followern

Und auch wenn die Versuchung groß ist, mit einem kleinen Budget schnell viele Signale einzukaufen, so kann ich nur jedem davon abraten. Erst einmal untersagen die sozialen Netzwerke dies ausdrücklich und wenn ein solcher Verstoß bekannt wird, kann das zur Sperrung oder Löschung des Accounts führen. Gerade Facebook ist da gnadenlos, unabhängig, wie viele echte Fans man vielleicht über Jahre gesammelt hat. Zum anderen hat man von den gekauften Fans und Follower rein gar nichts. Denn es handelt sich dabei zu 99% um Fake-Accounts, die speziell für diesen Zweck eingerichtet wurden. Es sieht dann auch immer irgendwie ein bisschen peinlich aus, wenn man angeblich 20.000 Facebook-Fans hat und bei jedem Post nur 2 oder 3 Leute liken. Man kauft sich hier also Karteileichen im großen Stil und riskiert die Löschung seines Accounts.

Xovilichter und die gekauften Social Signals

xovilichter-video-68-gekaufte-social-signalsAuch dieser SEO Contest ist nicht frei von gekauften Fans und Followern. Sogar unter den TOP10 rangiert ein Teilnehmer, der dies nachweislich gemacht hat. Die Rede ist von xovilichter-smx.de und wie man in Heikos Übersicht schön sieht, wirkt das schon auf den ersten Blick unglaubwürdig. Auch auf der Seite sieht man noch einen Screenshot seiner Likes und Social Feedbacks: 77 Mitteilungen auf LinkedIn, 506 Tweets, 10.244 Likes auf Facebook und 865 +1 Klicks bei Google. Tom Gerhard würde hierzu sagen: „Ja nee, is klar!“ Denn all diese Signale, Fans und Follower hat diese Teilnehmerseite schon kurz nach dem Start der Challenge „eingesammelt“. Hier dürfte jedem klar sein, dass dies nicht auf natürlichem Wege passiert ist. Nun könnte man sagen: „Na gut, aber immer ist xovilichter-smx.de unter den besten 10, also bringen Social Signals doch was – ob gekauft oder nicht!“ Ich gebe zu, die Vermutung liegt nahe. Dem möchte ich aber mit zwei Argumenten begegnen:

  1. Diese Seite hat auch im großen Stil Backlinks eingekauft und diese haben auf das Google Ranking einen definitiven und nachgewiesenen Einfluss.
  2. Der führenden Teilnehmer in der Xovilichter Keyword Challenge (habbo.cx/xovilichter) ist laut Heikos Tabelle nur sehr geringfügig in den sozialen Netzwerken aktiv und das widerspricht der These vollständig, dass Social Signals im direkten Zusammenhang mit einem guten Suchergebnis stehen.

Abschließend kann man also sagen: sicher ist, dass nichts sicher ist. Noch immer ist nicht nachweisbar, ob und wenn ja in welchem Ausmaß die Signale aus den sozialen Medien einen tatsächlichen Einfluss auf die Platzierung in den Suchergebnissen von Google haben.

Summary
Wie glaubwürdig sind Social Signal und welchen Einfluss haben sie auf Google?
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Wie glaubwürdig sind Social Signal und welchen Einfluss haben sie auf Google?
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Social Signals sind wichtig und soziale Netzwerken können auch viel Traffic auf eine Website spülen. Aber welchen Einfluss haben diese Signale wirklich auf Goolge und dessen Ranking? Da man sich eine gewisse "Social Visibility" auch kaufen kann, darf man hier wenigsten gesunde Zweifel haben.

2 thoughts on “Sind Social Signals glaubwürdig?”

  1. Hallo Ronny, erst einmal vielen Dank für das Aufgreifen meines Artikels in Wort und Ton ;o)

    Das mit dem „Faken“ ist wie bereits im Google+ Kommentar beschrieben, nicht auf die reine Anzahl an social Signals bezogen sondern mit der Autorität eines Accounts. Hiermit ist auch nicht nur die Anzahl an Followern oder Freunden gemeint, die wie du es oben beschrieben hast, natürlich auch gekauft werden können, sondern es geht um den thematischen Autorität und den Mehrwert den du deinen Followern zukommen lässt. Hinzugekaufte und oftmals vollständig unbrauchbare (neue) Freunde. Zumal die dt. Rechtssprechung hinsichtlich gekaufter social Signals auch eine klare Meinung hat. Aber ganz ehrlich, was interessieren mich 1000 neue Google+ aus Profilen, von denen ich vorher keinerlei Signals erhalten habe, die unter Umständen noch nicht einmal eine thematische Relevanz zu meinen Themen aufweisen, nicht kommentieren und in Interaktion treten und das bedeutet auch, die Postings anzuklicken und auf den Seiten zu interagieren. Denn erst dann weisen sie eine Relevanz für die Onlineinhalte auf und das Google dies messen kann, darüber brauchen wir wohl nicht zu reden.

    Fazit: Die pure Anzahl an neuer Signals oder Follower, von denen ein Großteil an Accounts entweder vollkommen neu ist und selbst noch über keine „inhaltliche Aussagekraft“ verfügt (privater Account, thematischer Business-Account) hilft meiner Meinung nach bei psychologischen Effekten, die dadurch eintreten. Einem Profil mit vielen Followern wird schneller „gefolgt“, als einem mit wenigen. Aber wie gesagt, es kommt auf die Qualaität der Follower an und was man aus ihnen macht, denn auch ein sozialer Account der für’s Business genutzt wird, muss Ziele erreichen!

    1. Moin Heiko, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und wieder was gelernt. Das der Kauf von Fans innerhalb Facebooks verboten ist, war mir klar. Nicht aber die Tatsache, dass das sogar gegen geltendes Recht verstößt. Ein Grund mehr, sich davon zu distanzieren und auf einen ehrlichen Community-Aufbau zu setzen.

      In Sachen Relevanz: beim eigenen sozialen Netzwerk mag Google noch dahinterkommen, dass die Follower nicht echt sind. Allerdings bei Facebook klappt das nicht, denn dieses Netzwerk ist praktisch für den Crawler nicht einsehbar. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass Google hier nur eine große Anzahl von Social Signals lesen können dürfte. Aber egal wie, ich halte mich da lieber an eine echte soziale Reputation, auch wenn diese eher klein wirkt im Vergleich einiger anderer Teilnehmer.

      VG, Ronny

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